KI und das Ego

Dieter Broers, in meinen Augen einer der brillantesten Denker und Forscher über die Natur des Bewusstseins, nennt das Ego-Ich eine „evolutionär erworbene Illusion“, was in etwas das beschreibt, wovon ich im 1. Teil gesprochen hatte.
Diese Tatsache gilt es erst einmal zu würdigen, denn die Vorstellung, es käme eine Fee und würde uns ein für alle Mal von dieser Illusion befreien, uns also von allen Konditionierungen abschneiden, ist zwar verlockend, aber die Folgen sind völlig unwägbar. Wir wären möglicherweise überhaupt nicht mehr lebensfähig ohne wichtige Werkzeuge des Überlebens, die wir uns auch durch Konditionierung in Bezug auf das Überleben angeeignet haben.
Kein Wunder also, dass der Alltagsverstand Freude an den Segnungen der Künstlichen Intelligenz hat. Sie erleichtert den Zugang zu Information, sie übernimmt „stumpfsinnige“ Tätigkeiten, kurz, sie simplifiziert das Leben enorm. Es ist verführerisch, KI ins Leben zu integrieren. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit, denn es bleibt uns, aus Sicht des Alltagsbewusstseins gar nichts anderes mehr übrig. In Teil 1 hatte ich geschrieben, dass Konditionierung in Büchern, Zeitungen, Filmen etc. gespeichert ist. Der allerwichtigste Konditionierungsspeicher, in dem sich eben leider nicht (mehr) alles Wissenswerte befindet, obwohl er ursprünglich genau dafür erfunden wurde, ist das Internet.
Damit ist das Internet auch eine geistige Verengungs-Plattform, die vorgibt, das Gegenteil zu sein und damit ein Werkzeug globaler Manipulation ist. Während in den Anfängen des Internet noch eine echte Auswahl an Suchergebnissen gezeigt wurde, die echte Informiertheit gefördert hat, ist dies heute nicht mehr der Fall. Ganze Bücher, etwa aus der klassischen Literatur, werden kaum mehr ganz gelesen, sondern nur noch deren „Inhalt“ heruntergeladen. So viel Subtiles, Schönes, Begeisterndes fällt unter den Tisch. Simplifizierung des Lebens hat eben auch Schattenseiten, sogar solche, die nie ein Sonnenstrahl erreicht.
Heutige junge Menschen (und auch viele ältere) wissen oft nicht mehr, wie man in einer echten Bücher-Bibliothek echte Information aus Erster Hand sucht und findet, für die Meisten ist das Internet, neben der alltäglichen Lebenswirklichkeit, die einzige Quelle ihrer „evolutionär erworbenen Illusion“. Das ist fatal, denn damit nimmt die Künstliche Intelligenz noch mehr Raum in unserem Geist ein, und es ist wohl nicht falsch, zu sagen, dass unser Hirnspeicher dadurch, dass wir so viel „Wissen“ aus dem Internet abrufen, bereits heute von KI infiltriert ist.
Zum grossen Glück gibt es im menschlichen Bewusstsein auch Teile, die davon grossenteils unbeleckt sind. In diese Höheren Sphären sind wir eingeladen uns zu begeben, wenn wir uns der geistigen Verengung entziehen wollen und die wunderbar weiten Ebenen des Freien Geistes erkunden wollen. Broers nennt es das „Göttliche Selbst“. Dort und nur dort ist auch unser Wille frei – doch darüber an anderer Stelle.
