Hatte Karl Marx recht?

… als er Religion als Opium des Volkes bezeichnete?

Wofür steht denn die Chiffre „Opium“ eigentlich? Steht sie für eine Lähmung des kritischen Geistes, oder für die Illusion einer schönen und besseren Welt im Jenseits? Oder für eine Beruhigungspille gegen die Ungerechtigkeit der Welt? Oder meint sie eine Konditionierung, die in die Abhängigkeit von einer göttlichen Macht führt? Auf jeden Fall ist Religion in der heutigen Zeit in vielerlei Sinn kritisch zu betrachten, denn sie hat das Zeug zum Totalitarismus, zum Faschismus und zum Machtinstrument über die Massen.

Ist Religion also das Opium, das ultimative Doping für die Massen? Jain würde ich sagen. Aber nicht als Verneinung mit Zustimmungsaspekt, sondern als Beispiel für eine intensive Konditionierung im religiösen Rahmen, die, gewollt oder nicht, in der Konsequenz eher lebensverneinend daher kommt.

Der JAIN-ismus ist eine Religion im Indien des 5./6. Jahrhunderts v.Chr., deren Ursprünge allerdings auf die vorvedische Zeit zurückgehen. In dieser Religion wird der Mensch in seinem Aktionsspektrum begrenzt, wegen dem Gebot, ja kein Lebewesen zu beschädigen oder gar zu töten. Die Nase wird mit einem Tuch bedeckt, um keine Insekten aus Versehen einzuatmen, das Gehen sehr beschwert durch den Umstand, dass keine Ameise oder ähnliches mit dem Fuss zerdrückt werden darf. Selbstredend sind die Jainas Vegetarier oder Veganer. Warum wird das gemacht? Weil jede Beschädigung oder Verletzung eines anderen Lebewesens Karma nach sich zieht und damit das Verweilen im Rad der Wiedergeburt verlängert. Das Verweilen in der lebendigen Natur wird also zum Spiessrutenlauf, das Leben eine grundsätzliche Vermeidung.
Finden wir diese Tendenz, die im Janinismus ins Extrem und auch fast ad absurdum geführt wird, nämlich dass Gebote zu lebensfeindlichen Maximen werden, auch im Christentum?

Auf jeden Fall! Wahrscheinlich ist es so, dass die christlichen Gebote und Maximen für eine lange Zeit passend und akzeptabel waren, um zum Beispiel den sozialen Frieden zu erhalten, die Armen mit ins Boot zu holen (und zu speisen, wie es in praktisch jeder Religion praktiziert wird) und Konzepte wie Kaiser- und Königtum als Spiegelungen der göttlichen Ordnung zu begründen. Was in einer Zeit der beginnenden Dekadenz etwa der Kirchen und deren Abkoppelung vom Leben der Gläubigen zum Opium wurde, das diese in heiligem Schach hielt und sie von vielen wundervollen Aspekten der menschlichen Möglichkeiten fernhielt, war in früheren Zeiten möglicherweise gerade mal ein Kräutertrunk, der Mässigung im menschlichen Umgang beförderte, da Belohnung und Strafe im Raum standen, im göttlichen wie im weltlichen. Der heute weit verbreitete Abfall vom Glauben hat dazu geführt, dass ALLES möglich und scheinbar erlaubt ist, und das Opium kann man sich ganz ungeniert an den Bahnhöfen holen.

Was Karl Marx vielleicht nicht bedacht hat, oder in seiner Zeit noch nicht bedenken konnte, das ist die Tatsache, dass der Marxismus selber pseudoreligiöse Züge in sich trägt, indem die Menschen auch glauben müssen, dass ihr Leben durch die Revolution von unten besser wird, was es aber in den verschiedenen praktischen Ausformungen des Sozialismus nur mittels Gehorsam und Verzicht wird. Wer der sozialistischen Doktrin nicht folgt, wird genau so gemassregelt wie durch einen von oben diktierten religiösen Glauben. Man könnte also sagen, dass Gehorsam und Verzicht das Opium der Volkes sind, und dies sowohl in der Religion wie auch im Sozialismus … übrigens sind sie das auch in der Coronapolitik und der Klimapolitik. Gehorsam und Verzicht sichern das Gut- und Richtigsein. Gut- und Richtigsein sind der Garant für den Einzug ins Himmelreich, ins sozialistische Kader und in die Fernsehtalkshow.

Wir sind schon weit über die Dekadenz hinaus, die Systeme sind am Verfaulen, statt Gehorsam und Verzicht bräuchten wir heute schon eine weitaus stärkere Droge, um uns um den Indoktrinations-Finger wickeln zu lassen.
Das aber wollen wir nicht und bleiben deshalb drogenfrei. Lebensverneinung war gestern – heute feiern wir das Leben, die Natur, unsere Talente und die Freiheit der Gedanken!

HÖRVErsion als Podcast

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