Manchmal muss man das Offensichtliche aussprechen. Ohne Bauern gibt es nichts zu essen. Ganz generell und auch spezifisch. Bauern produzieren unser Essen, aber das ist nicht das einzige, was sie tun. Sie erhalten auch die natürliche Verbindung zum Boden, zur Erde, die nun mal unsere wahre Heimat als menschliche Wesen ist, solange wir inkarniert sind. Wie würden wohl unsere Landschaften aussehen, wenn sie nicht mehr gepflegt, bearbeitet und kultiviert würden? Bauern sind wahrscheinlich ebenso Kulturträger wie es Sprache, Kunst und Musik sind. Bauernland ist Land, das aus dem Chaos in die Ordnung gebracht wurde, das bearbeitet und zu dem gut geschaut wird. Es ist ein Kapital, das gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Dieses Land (und damit die Erde) erfährt Zuwendung und Zuneigung.
Doch das alles ist graue Theorie – das nun folgende aber nicht:
Seit fünf Jahren lebe ich auf dem Land, sozusagen umzingelt von Bauern. Ich sehe also jeden Tag, 7 Tage in der Woche, wie die Bauern leben und arbeiten. Da ist auf der einen Seite ein Bauer, der Kälber für die Fleischwirtschaft aufzieht. Im Winter, wenn ich morgens um sechs meinen Tee zubereite, sehe ich, dass im Stall drüben bereits das Licht brennt, und abends um halb neun brennt es immer noch oder wieder. Im Frühling sehe ich die verschiedenen Aktivitäten des Bauens und Reparierens von Zäunen, im Sommer die Kühe auf der Weide, während andere Weiden gemäht, das Gras getrocknet und in Siloballen verarbeitet wird, das Düngen, das Güllnen, die Geburt von Kälbern, den Auslauf und die Pflege der Kälber, die vielen, vielen Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten, und das sind ja nur die Arbeiten, die ich sehe. Was in den Ställen alles gemacht werden muss, sehe ich nicht.
Auf der anderen Seite arbeitet ein Schafbauer, der Käse und Würste produziert, und natürlich Wolle. Sein Hof ist weiter weg, aber die Schafe sehe ich im Sommer täglich auf der riesigen Wiese grasen, ich sehe den Schäferhund, ich sehe die Schafe im geschorenen und nicht geschorenen Zustand, ich beobachte das Sozialverhalten der Schafherde, den Zusammenhalt und das gemeinsame Agieren. Das alles ist einfach schön, weil es Natur in Aktion ist – selbst wenn dies profitable Bauernbetriebe sind und nicht Natur pur. Es ist das, was sich nach vielen tausend Jahren als nützlich und sowohl ökonomisch wie auch ökologisch sinnvoll herausgestellt hat. Ja, ich nehme an, diese Betriebe sind auch subventioniert, das trifft aber ebenso u.a. auf die AVH, die IV, die ETH, einige Regionalbahnen, die internationale Zusammenarbeit im Migrationsbereich und sogar auf die Covid-Tests zu.
Und dann sind da noch meine eigenen Hühner, ein kleiner Mikrokosmos im Garten. Das Krähen und gackern, zunächst scheinbar als zufällig wahrgenommen, entpuppt sich als gelebte natürliche Ordnung. Das Gruppenverhalten und die Schutzfunktion des Hahns gegenüber den Hühnern ist ebenso verblüffend wie herzerwärmend, erstaunlich die beständige Kommunikation und das Kommentieren von allem, was so vor sich geht, oder wenn ein Ei gelegt wurde. Den Hühnermist verwende ich zum Düngen von Gemüse, Blumen und Beeren, also wiederum ein natürlicher Kreislauf.
Kühe, Schafe und Hühner abzuschaffen und in Fabriken vegane Kunst-Produkte unter viel Energieaufwand herzustellen halte ich deshalb für keine gute Idee. Die Bauern für ihren scheinbaren Beitrag zum Klimawandel zur Verantwortung zu ziehen ebenso wenig.

Das ist so wahr, liebe Simone 🥰
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